Bald werden mehr Maschinen miteinander telefonieren als Menschen

25.06.2018

Wie sieht die Produktion 2030 aus? Mit dieser Frage beschäftigte sich der gleichnamige Arbeitskreis der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg. Die Erkenntnis des jüngsten Treffens laut IHK-Mitteilung: Vieles, was vor kurzem noch als undenkbar galt, kommt heute zum Einsatz. 2030 ist näher als gedacht – kalendarisch wie technologisch.

Dem Begriff Industrie 4.0 wird oft nachgesagt, nicht mehr als ein diffuser Gedanke zu sein. Dabei zeichnen sich mehr und mehr die konkreten Wege in das Zeitalter 4.0 ab – auch das Bild der Produktion 2030 nimmt Konturen an. Wie genau, das zeigten drei namhafte Referenten bei dem Netzwerktreffen in der Alten Hofbibliothek in Donaueschingen.

„Bald werden mehr Maschinen miteinander telefonieren als Menschen“, vermutete Dr. Reinhold Walz, Geschäftsführer der Firma Gewatec  in Wehingen. Den Beweis führte er den Teilnehmern vor Augen. Sie konnten bei einer Live-Schaltung in die Lernfabrik 4.0 beobachten, wie eine LED-Taschenlampe nach Vorgabe aus dem Arbeitskreis in Echtzeit graviert wurde. Die unmittelbare Kommunikation verschiedener Geräte über weite Strecken hinweg ist heute Standard.

Die Herzstücke der vernetzten Produktionswelt sind Sensoren. Wie Professor Axel Sikora, Stellvertretender Institutsleiter der Hahn-Schickard-Gesellschaft für angewandte Forschung  in Villingen-Schwenningen prognostizierte, gehört die Zukunft zum einen den kabellosen Übertragungstechnologien, zum anderen autarken Kleinstsystemen, die von selbst lernen werden. „Künstliche Intelligenz“ beginnt also nicht mit riesenhaften Robotern, sondern auf der kleinsten Ebene.

Florian Hermle, Geschäftsführer der Firma Balluff aus Neuhausen auf den Fildern, skizzierte den Teilnehmer die Entwicklung des Unternehmens von der Automatisierung im Haushaltsbereich hin zur industriellen Automation. Diese steht momentan vor dem nächsten Quantensprung. Technologie, Software, Hardware, Partner: Sie verbinden sich nach Worten Hermles zu einem „Ökosystem“, einem aufeinander abgestimmten dynamischen Geben und Nehmen von Daten. Damit dies funktioniert, müssen sich allerdings alle vernetzten Partner verstehen.

Klar ist: Zum Nulltarif sind diese Innovationen nicht zu haben, und die Investitionen müssen sich rechnen. Zum Beispiel durch neue Geschäftsmodelle. Florian Hermle erörterte, dass für klassische Hardware-Hersteller künftig der Umsatz mit Software und Services immer essenzieller werde. Oder aber die Digitalisierung hilft, Maschinen besser auszulasten und damit Kosten zu reduzieren. Letztlich wird sich jedes produzierende Unternehmen diese und ähnliche Fragen stellen müssen.

„Es zeigt sich abermals, dass die zukünftige Produktion vor zahlreichen Herausforderungen steht. Es freut uns daher, dass wir mit so hochkarätigen Teilnehmern den Arbeitskreis Produktion 2030 gestalten dürfen, so Daniela Jardot, Referentin für Innovation und Technologie der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg.

Info
Die Mitglieder des Arbeitskreises „Produktion 2030“ sind: Carl Haas GmbH, ebm-papst St. Georgen GmbH & Co. KG, Hahn-Schickard-Gesellschaft für angewandte Forschung e.V., Helmut Hechinger GmbH & Co. KG, Herbert Waldmann GmbH & Co. KG , Herzog GmbH, IMS Gear SE & Co. KGaA, J.G. Weisser Söhne GmbH & Co. KG, Kendrion (Villingen) GmbH, Koepfer Zahnrad- und Getriebetechnik GmbH, Maico Elektroapparate-Fabrik GmbH, Marquardt GmbH, Ricosta Schuhfabriken GmbH, Schweizer Electronic AG , Sick Stegmann GmbH, STEIN Automation GmbH & Co KG, Trumof Laser GmbH & Co. KG, Weißer und Grießhaber GmbH, Werma Signaltechnik GmbH + Co. KG.

Zur Pressemittielung der "Neuen Rottweiler Zeitung" 22.06.2018